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Startseite Stiftspfarre Filialkirche Siegenfeld - St. Ulrich
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Liebe Siegenfelder! |
Seit 1. September 2008 bin ich nun Ihr Kirchenrektor – schon fast 3 Jahre sind es her, dass mich der damalige Stiftspfarrer P. Dr. Bernhard Vošicky in mein Amt einführte. Sie erinnern sich vielleicht dann noch an meinen Start bei Ihnen, und an die eine oder andere Unsicherheit, die eben das Wirken eines Neupriesters begleiten. Bei so einem berühmten Vorgänger den ich hatte, mussten sie Ihnen besonders deutlich auffallen...
Doch bereits 6 Wochen später, bei der Fußwallfahrt zur Cholerakapelle, zeigten Sie mit ca. 70 Wallfahrern, dass Sie den NEUEN angenommen hatten. Sehr bald wurde ich auf die große Zahl von Kindern in Siegenfeld angesprochen und so gestalteten wir den 1. Kindergottesdienst nach der Heiligen Messe, am Hochfest von Maria Empfängnis. Eine übervolle Kirche demonstrierte, dass auf dieser Schiene weitergearbeitet werden sollte. Monatlich trafen sich nun Kinder und deren Eltern, nach der Sonntagsmesse in der Kirche, zu Gebet und Gesang und verweilten im Pfarrheim anschließend bei einer stets sehr gut organisierten Agape. Zu diesen Gottesdiensten kamen meist sogar mehr, als wie zur „normalen“ Sonntagsmesse und die jungen Väter genierten sich überhaupt nicht zur Kirche zu kommen. Ich erinnere mich auch noch gut an die 1. Kindermette mit Krippenlegung, die so voll war, dass ich mit den Ministranten nur mit Mühe nach vorne zum Altar kam. Sternsinger gab es in unserem kleinen Ort gleich im ersten Jahr so viele, dass wir zahlenmäßig durchaus mit einer Stadt hätten konkurrieren können: 24, dann 27 und heuer waren es sogar 29 Kinder, die bereit waren, für die Armen zu sammeln.
Sankt Nikolaus und Sankt Martin kamen wieder in die Kirche und die anschließenden Agapen zeigten, wie gut die Siegenfelder zu feiern verstehen. Überdurchschnittlich viele Kinder wurden getauft und fordern von meinem künftigen Nachfolger sicher eine besondere Aufmerksamkeit. Auch das Ratschen an den Kartagen und das Palmbuschenbinden für Palmsonntag sind wichtige Elemente in einer christlichen Dorfgemeinschaft. Meine Ernennung zum Leiter unseres Priesterseminars erforderte eine Verschiebung der sonntäglichen Messzeit von 8.30 Uhr auf 10.00 Uhr, welche Sie insgesamt betrachtet, ganz gut angenommen haben. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass wir nun seit zwei Jahren auch eine vollautomatische Funkuhr mit einprogrammierten Läutzeiten haben.
Ein besonderes eindrucksvolles Kapitel in den vergangen 3 Jahren, nimmt die Innenrenovierung unserer Kirche ein, die ohne Hilfe der Erzdiözese oder des Stiftes durchgeführt wurde. Dank Ihrer Spendenbereitschaft und dem ehrenamtlichem Engagement von verschiedenen Siegenfeldern wurde diese Aktion zu einem riesen Erfolg. Abt Gregor konnte bereits nach 6 Wochen emsigster „Bautätigkeit“, am vergangenen 10. Oktober die „neue“ Kirche segnen und eine echte Ulrichs Reliquie in die uralte Altarmensa einmauern. Er staunte bei dieser Feier über das Engagement der Siegenfelder und deren Einsatz. Ich erinnere mich bei den Renovierungsarbeiten v. a. auch an das nicht ungefährliche Herunterlassen des alten, defekten Harmoniums von der Empore, bei dem einige Männer ordentlich zupacken mussten. Im vergangenen Winter nun konnte die Kirche, dank modernster Technik, zu einem supergünstigen Tarif beleuchtet werden. Wieder war es das Engagement von Ehrenamtlichen, die schraubten und verkabelten und nun die Kirche auch während der Nacht, zu einem kleinen „Wahrzeichen“ des Ortes machen und damit eine wesentliche Verschönerung des Dorfbildes bewirken. Und es ging weiter: In diesem Frühjahr wurde nun sogar der Pfarrhof schön hergerichtet und bepflanzt. Damit ist er für kirchliche Feiern bestens geeignet und braucht sich nicht länger zu verstecken.
Unser Patrozinium, der Heilige Ulrich, wird am 4. Juli begangen. Da dieser Tag jedoch bereits in der Ferienzeit ist, kann er nur mit wenigen Gläubigen gefeiert werden. Daher war die Überlegung ein anderes Fest zu feiern, an einem Tag, da möglichst viele kommen können. Wir beschlossen ein Erntedankfest im Freien, am Dorfplatz nach dem Dorffest zu feiern. Und auch dieses Fest wurde von Ihnen angenommen: der Kindergarten wirkte mit, sogar eine eigene Erntekrone wurde gemacht, die Musikkapelle kam und wieder konnte nach dem Gottesdienst gemütliche zusammen gefeiert werden, so dass ein richtiges Fest für die Gemeinde daraus wurde. Auch heuer soll es wieder so gehalten werden.
Einen gewissen Höhepunkt der vergangen 3 Jahre, durfte ich am vergangenen Fronleichnamsfest erleben, zu dem ca. 150 Gläubige kamen. Eindrucksvoll wurde die Monstranz mit dem Heiland von Ihnen durch das Dorf begleitet. Es war seit vielen Jahren erstmals wieder die große Fronleichnamsprozession, mit restaurierten Fahnen und allem was dazugehört. Besonders schön war und ist, dass unsere Frauen an solchen Festen auch gerne wieder eine Tracht tragen. Damals spielten Musikanten aus Gaaden auf, heuer sind es die Heiligenkreuzer, die die Prozession begleiten und zum anschließenden Imbiss aufspielen. Ich werde wieder um gutes Wetter beten. Auch das vergangene Osterfest mit den zwei spitzen Agapen nach den Gottesdiensten, und den ca. 140 Kirchenbesuchern ist wahrscheinlich rekordverdächtig gewesen.
Ich möchte in diesem Pfarrbrief unserem Organisten Giovanni Radwansky aus Pfaffstätten besonders danken, der seit dem Weggang von Herrn Hofmann für uns die neue elektrische Orgel (gestiftet) schlägt, und immer auf seinem Posten ist. Besonders unsere Kindergottesdienste spielt er großartig und ist dort unverzichtbar.
Nun hat die Wahl von P. Prior Maximilian Heim zum neuen Abt von Heiligenkreuz, erwartungsgemäß einige Umbesetzungen erfordert. Bereits 24 Stunden nach der Wahl, war der neue Herr Abt in meiner Wohnung und fragte und bat mich, sein Nachfolger in Bochum/Stiepel zu werden. Im Willen der Oberen sieht der Mönch immer auch den Willen eines HÖHEREN und so sagte ich zu. Es ist ein großes und mit viel Verantwortung verbundenes Amt: Der Prior unseres Tochterklosters in Deutschland hat ein Haus mit ca. 15 Mitbrüdern zu leiten. Es ist ein Kloster, das in Bochum einen wichtigen Stellenwert innehat. Informationen gibt es unter www.kloster-stiepel.org. Meine Einführung dort wird am 29.Mai sein.
Das Priesterseminar in Heiligenkreuz, dessen Leitung ich seit 2 Jahren innehabe erfordert meine Präsenz jedoch bis zum 1. Juli, so dass ich meinen Abschied bei Ihnen am 26. Juni feiern werde. Noch hat der Herr Abt für mich keinen Nachfolger in Siegenfeld bestimmt und so bitte ich weiterhin um Geduld. Sicher ist, so hat er uns versichert, dass es einen guten Nachfolger in Siegenfeld geben wird.
Liebe Siegenfelder, ich war gerne bei Ihnen, ja ich bin sehr gerne zu Ihnen gekommen. Die Kinder und jungen Familien sind mir dabei besonders ans Herz gewachsen, doch auch unseren Senioren versuchte ich regelmäßig zum Geburtstag zu gratulieren. Ich möchte mich bei Ihnen allen bedanken für Ihre Freundlichkeit und Ihr Wohlwollen mir gegenüber. Einigen gilt mein ganz besonderer Dank, denen ich auch ich immer wieder in den vorigen Pfarrbriefausgaben dankte, sei es für das Organisieren der Agapen, der Mithilfe bei der Restaurierung, der Außenbeleuchtung, der Pfarrhofverschönerung, dem Organisieren der Sternsinger und Ratschenkinder usw., unseren Lektoren. Ein besonderer Dank gilt dabei unseren beiden Pfarrgemeinderäten Carola de Wall und Michael Schmid-Schmidsfelden, die sehr viel geleistet haben. Dem neuen Kirchenrektor wünsche ich ebenso viel Wohlwollen wie Sie mir entgegenbrachten und viel Freude bei sein Arbeit. Es segne Sie auf die Fürsprache Mariens der Allmächtige Gott, der VATER und der SOHN und der HEILIGE GEIST.
Herzlichst Ihr P. Pirmin
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Die Filialkirche St. Ulrich |
Auf dem Kirchhügel inmitten des Dorfes erhebt sich ein nettes Kirchlein, das 1734 erbaut wurde. Die Kirche ist die einzige Barockkirche im Pfarrgebiet von Heiligenkreuz, sie ist klein aber fein und hat ca. 50 Sitzplätze. Die Kirche ist unter Tags immer geöffnet; sie ist durch ein Gitter vor Diebstahl geschützt, Beter sind jederzeit herzlich willkommen.
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Erste Erwähnung 1136 |
Siegenfeld liegt idyllisch auf einem Hochplateau zwischen Baden und Gaaden und gehört als „Katastralgemeinde“ zur Gemeinde Heiligenkreuz. Auch pfarrlich gehört es zur Pfarre Heiligenkreuz und wird von einem eigenen Kirchenrektor betreut. Geschichtlich gesehen ist Siegenfeld älter als Heiligenkreuz, das ja erst 1133 mit der Stiftung des Zisterzienserklosters durch den heiligen Leopold III. entsteht. Siegenfeld hingegen ist mit großer Wahrscheinlichkeit bereits 1040 besiedelt. In der Stiftungsurkunde von Heiligenkreuz aus dem Jahre 1136 wird jedenfalls bereits ein „Ulrich von Siegenfeld“ als Zeuge genannt, - dies ist die erste schriftliche Erwähnung von Siegenfeld. |
„Grangie“ des Stiftes 1166 |
Herzog Heinrich II. Jasomirgott (1141-1177) schenkte 1166 Siegenfeld der Zisterzienserabtei Heiligenkreuz, die Mönche richteten daraufhin in Siegenfeld einen Gutshof ein, der auf dem heutigen Kirchenhügel lag. Die Zisterzienser richteten den Gutshof des Stiftes Heiligenkreuz ein. Die „Konversen“, also die „Laienbrüder“ unter den Mönchen, arbeiteten auf der sogenannten „Grangie“ und bewirtschafteten vor allem den Wald. Die Grangie Siegenfeld wird in einem Privilegbrief von Papst Innozenz III. für Heiligenkreuz vom 31. 1. 1210 erwähnt, sie ist zu dieser Zeit ganz im Eigenbetrieb des Klosters. Um 1267 wird die Grangie einem gewissen Bischof Bischof Petrus von Odense im heutigen Dänemark übertragen, der aus der Heimat verbannt worden war. Das heißt nicht, dass der verbannte Bischof in Siegenfeld wohnte, sondern nur, dass er von den Einkünften des Gutshofes lebte.Á |
Die erste Kapelle von 1414 |
Ab 1388 besteht ein richtiges Klosterdorf mit 10 zinspflichtigen Lehen, die über 1683 hinaus erhalten bleiben. 1414 erbaute der pflanzenkundige Johannes (auch „Hans“ genannt), ein Konverse des Stiftes Heiligenkreuz, aus Eigenmittel in Siegenfeld eine gotische Kapelle. Bruder Hans wird „grangiarius“ genannt, er war vermutlich der Leiter des klösterlichen Gutshofes. Diese war vermutlich noch kleiner als das heutige Kirchlein und stand wahrscheinlich am selben Platz auf dem Kirchenhügel, sie war der Gottesmutter Maria und dem heiligen Evangelisten Johannes geweiht. |
P. Kilian Dienstbier baut 1734 die heutige Kirche |
Das heutige Kirchlein ist ein gelungener Barockbau: Der Waldschaffer Pater Kilian Dienstbier veranlasste 1734 die Erbauung eines neuen Gotteshauses an der Stelle der gotischen Kapelle. Das barocke Kirchlein wurde unter Abt Robert Leeb im Jahre 1740 fertig gestellt. Der Altar wurde von Giovanni Giuliani (geb. in Venedig 1663, Heiligenkreuz, 5. September 1744) entworfen, dem berühmten Barockskulptor und Lehrmeister von Raphael Donner. P. Kilian Dienstbier (oder Dunstbier) stammt aus der Oberpfalz, er diente als Feldtrompeter in Ungarn und trat hierauf in Heiligenkreuz ein und wurde 1727 zum Priester geweiht. Von 1721 bis 1730 verwaltete er das Gut Thallern und ca. von 1733 bis 1742 war er „Schaffer“ der Vorderen Waldungen, also Eine Art „Forstmeister“ des Klosters. Mit Erlaubnis seines Abtes Robert Leeb erbaute Pater Kilian 1734 die jetzige Kapelle in Siegenfeld, die Mittel brachte er aus der Forstwirtschaft auf. Er starb 1753 im Alter von 65 Jahren.` |
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Das Chronogramm über dem Eingang |
Über der Eingangstür befindet sich eine Barockkartusche mit einem lateinischen Chronogramm, d. h. wenn man den Zahlenwert der Buchstaben M=1000, D=500; C=100; L=50, V=5; I=1 zusammenrechnet, ergibt sich die Jahreszahl 1740. Der Text lautet: „S(ancto) Udalrico ampliavit struxitque Robertus Antistes.“ Die Übersetzung bedeutet : „Abt Robert (Leeb) hat diese Ulrichskirche in vergrößerter Form erbaut.“ Interessant ist: Ohne den Namen des Abtes ergibt sich der Zahlenwert 1734, das ist das Jahr des Baubeginns. Vermutlich wurde die Ulrichskirche erst 6 Jahre später, 1740 fertig und dann von Abt Robert Leeb eingeweiht. |
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Kirchenpatron: der hl. Ulrich von Augsburg |
Da Pater Kilian selbst Deutscher war, wurde als Kirchenpatron der hl. Ulrich von Augsburg gewählt. Er ist auf dem Altarbild dargestellt, flankiert von zwei anderen heiligen deutschen Bischöfen: Auf der linken Seite ist die Statue des hl. Wolfgang, Bischof von Regensburg, und auf der rechten die des hl. Kilian, Bischof von Würzburg, zu sehen. Das Altarbild zeigt den hl. Ulrich mit ausgebreiteten Armen während zu seinen Füßen die Schlacht vom Lechfeld vom 10. August 955 tobt. Ulrich wurde 890 in Schwaben geboren. Der deutsche König Heinrich I. ernannte ihn 924 zum Bischof von Augsburg. Am 10. August 955 schlug Ulrich die damals noch heidnischen Ungarn, die plündernd durch Europa zogen, in der Schlacht am Lechfeld siegreich in die Flucht. Ulrich starb am 4. Juli 973; Papst Johannes XV. sprach ihn 993 heilig. Es war dies die erste Heiligsprechung der Geschichte. Auf dem Altarbild ist Ulrich als Bischof mit Stab und Mitra dargestellt; seine Attribute sind ein Fisch auf einer Bibel. Die Legende hiezu sagt, dass Ulrich einem Boten des Herzogs von Bayern ein Stück Fleisch auf die Rückreise mitgab und nicht daran dachte, dass es Freitag war. Der Bote brachte das Fleisch heim und wollte es seinem Herrn zeigen, um zu beweisen, dass selbst der Bischof den Fasttag nicht halte. Als er aber das Fleisch aus der Tasche nahm, war es in einen Fisch verwandelt. Durch dieses Wunder wollte Gott zeigen, dass unverschuldeter Irrtum keine Sünde sei, sowie: dass ihm Arglist und Bosheit und das Bloßstellen von Menschen als Gräuel erscheinen. |
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Pfarrbrief Juni 2011 |
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