StartseiteKirchenbeitragHeimat bei Christus

Glaube: OK – Kirche: naja

– und Beitrag: jetzt aber bitte keinen Stress?

Ich bin so kühn, zu behaupten, dass man Heimat erst hat, wenn man für sie etwas tut. Wer ehrenamtlich irgendwo mitarbeitet hat sich dort „beheimatet“: kulturell, sozial, politisch und erst recht kirchlich. Er investiert Zeit und Geld: „Freizeit“, die wir eigentlich gar nicht haben; und Geld, das wir durch Arbeit verdienen – also investieren die Ehrenamtlichen Zeit gleich „zweimal“. Und wer in dieser Schleife „lebt“, erfährt dort Wert und Selbstwert: Und jetzt macht es erst so richtig Freude.

Haben Sie nicht auch manchmal den Gedanken, dass Sie „eh“ schon so viel für die Kirche tun, weil Sie ja einen monatlichen Beitrag leisten? Stimmt, und ich danke Ihnen von ganzem Herzen dafür. Ich werde ja auch von diesem Beitrag bezahlt. – Und dennoch muss ich noch mehr von Ihnen verlangen, damit Sie in der Kirche von Grub so richtig „zu Hause“ sind: Ihre Präsenz – Ihr mitdenken, mitplanen, mitwirken.
Wenn wir nach dem Gottesdienst noch ein wenig plaudern, während die Kinder spielen, ist das der beste Einstieg einander als Christen unser Christsein zu schenken, sich für Christus und seine anderen Christen interessieren: da sind wir wirklich Familie!
In der letzten Zeit höre ich immer wieder den Gedanken: „Warum soll ich 100,-- oder noch mehr Euro zahlen, wenn ich nur zwei mal im Jahr in die Kirche gehe?“ Sie verstehen, was ich meine! Dafür gibt es nur eine Hilfe: Komm öfter! Suche deinen Platz, für den Christus Dich bestimmt hat!

Übrigens, wenn Sie einen guten Pfarrer wollen, dann ergreifen Sie seine Hand. Ca. 70 Sonn- und Feiertage pro Jahr bietet er Christus als Treffpunkt an. Er braucht mindestens ein paar hundert Hände, Herzen, Leute, die an ihrer Motivation arbeiten. Sie haben die Chance etwas aus Ihrem Pfarrer zu machen. Er muss nicht frustriert sein!

Ja, aber … Sind Sie schon einmal von der Kirche enttäuscht worden? Machen Sie sich keine Sorgen: Ich auch! Wenn wir eine Gemeinschaft suchen, die vollkommen fehlerfrei ist, dann sind wir ohne Hoffnung. Wie viele bis über beide Ohren verliebte Paare vergessen ihre Liebe, weil sie sich auf die Fehler des anderen konzentrieren. Die Kirche ist der Platz, wo sich Leute treffen, die Frustrationen mit Frieden beantworten: „Meinen Frieden gebe ich euch, nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt.“ Diesen Frieden kann man ergreifen.

Ich bin immer wieder sehr traurig, wenn mir die Kirchenbeitragstelle einen Austritt meldet, es handelt sich dabei immer um eine Person, mit der ich nie über die Freude des Christseins sprechen konnte, die so weit weg war von mir und den anderen Christen, dass sie jetzt sozusagen vom Tellerrand gefallen ist: verhungert, vertrocknet, enttäuscht.

„Mehr ist es mir nicht wert“, ist also ein Mangel an Heimat. Oder zahlen Sie Ihre Frau für die Dienstleistungen bzw. kassieren Sie von Ihrem Mann Vollpension? Ich wünsche Ihnen Heimat. Heimat bei Christus und Heimat bei denen, die sich bei ihm zusammengefunden haben.

P. Ferdinand Zwettler

Pfarrbrief Juni 2011