pgr-kongress

Diözesaner Erneuerungsprozess – Seelsorgeraum Wienerwald

von Michaela Richter, Dekanatsvertreterin im Vikariatsrat

Liebe Christen in unserem Dekanat!
Unser Dekanat mit seinen sieben Pfarren ist jetzt ein Seelsorgeraum, wie Sie bereits in den Mitteilungen des Dekanates im Juni-Pfarrblatt lesen konnten. Wie ist es nun dazu gekommen und was bedeutet das für unsere Pfarren?

„Apostelgeschichte 2.1“ (www.apg21.at)

Die Erzdiözese Wien hat vor einigen Jahren einen Entwicklungsprozess unter der Bezeichnung „Apostelgeschichte 2.1“ begonnen. Sie wollte so den Weg der Erneuerung, der vom Konzil vorgegeben war, weitergehen. In mittlerweile vier Diözesan-versammlungen (über die letzte haben wir ja in einer Sonder-Dekanatsbeilage berichtet) tauschten sich die Teilnehmer – auch einige aus unserem Dekanat – in beeindruckender Offenheit mit der Kirchenleitung darüber aus, wie die Kirche der Zukunft in unserer Erzdiözese gestaltet sein könnte, getragen von drei Leitworten: Mission, Jüngerschaft und Struktur-reform. Es wurde immer deutlicher, dass eine Veränderung notwendig ist, um als Kirche fit für die Zukunft zu sein. Die Sendung der Kirche, die enormen gesellschaftlichen Veränderungen und die Verknappung der Ressourcen der Kirche erfordern eine Veränderung im christlichen Leben des Einzelnen und in den kirchlichen Strukturen. Allen Überlegungen zugrunde liegen muss die Option, wieder näher zu den Menschen zu gelangen. Kardinal Schönborn verweist immer wieder auf Papst Franziskus, der stets von einer sich öffnenden Kirche spreche und das auch lebe.

Sehr anschaulich beschreibt die Erzdiözese Wien diese Beweggründe für eine Reform auf ihrer Homepage:
Eine Kirche, die für die Menschen da ist, muss die Menschen auch verstehen, ohne deswegen ihre Identität aufzugeben. Die Menschen führen ein mobiles, rascheres Leben, sie haben weiter verstreute Freundschaften und kommunizieren mit Hilfe moderner Medien; sie sind bereiter für Veränderungen und Wechsel, sind bereit sich zu engagieren, aber achten auf den Nutzen für sich. Die Gesellschaft ändert sich, und die Kirche muss dort sein, wo die Menschen sind.
Ein wichtiges Anliegen ist Kardinal Schönborn auch ein verstärktes Bewusstsein des „gemeinsamen Priestertums“ aller Gläubigen. Es brauche ein neues Zusammenspiel von Priestern und Laien.

Die Lenkung des Gesamtprozesses hat Kardinal Schönborn einer Steuerungsgruppe anvertraut, der u.a. alle Mitglieder des Bischofsrats angehören und  deren Fäden von Generalvikar Nikolaus Krasa, Pastoralamtsleiterin Veronika Prüller-Jagenteufel und der Leiterin der Stabstelle Apg 2.1., Andrea Geiger, zusammengehalten werden.

Pastorale Kooperationen – Seelsorgeräume

Ein Teil dieses Erneuerungsprozesses ist die pfarr-übergreifende Kooperation in Seelsorgeräumen, die eine größere Einheit von mehreren selbständigen Pfarrgemeinden darstellen, die sich vernetzen. Durch Bündelung vorhandener Ressourcen soll eine Qualitätssteigerung erreicht werden. Es geht um den gegenseitigen Ausgleich von Schwächen durch vorhandene Stärken.

Ein weiterführendes Modell wäre hin zu einer „Pfarre neu“, einer größeren Verwaltungseinheit von einigen   Gemeinden (ehem. Pfarren), die von Priestern und   Laien gemeinschaftlich unter Letztverantwortung eines Pfarrers geleitet wird. Kardinal Schönborn betont allerdings, keinen Rasterplan über die Diözese legen zu wollen und lebendige Pfarren einzuengen, sondern vielmehr einen „Masterplan“, der individuelle Gegebenheiten berücksichtigt. „Der Weg, den wir zu gehen haben, ist ein entschiedenes Miteinander der Pfarren“, so Kardinal Schönborn. Das werde in Wien anders sein als in den Land-pfarren. Es gehe darum, das vielfältige kirchliche Leben zu vernetzen, in einer großen Gemeinschaft.

Unser Seelsorgeraum „Wienerwald“

Die Dekanatskonferenz hat nun beschlossen, aus den 7 Pfarren unseres Dekanates einen Seelsorge-raum zu bilden, da unser Dekanat einen gewachse-nen Lebensraum im südlichen Wienerwald darstellt. Dieser Seelsorgeraum, der also die Pfarren Alland, Gaaden, Heiligenkreuz, Klausen-Leopoldsdorf, Maria Raisenmarkt, Sittendorf und Sulz umfasst, wurde mit Dekret vom 9. Mai von Kardinal Schönborn installiert und trägt den Namen „Wienerwald“.

Die 7 Pfarren bleiben unverändert bestehen, auch an der Leitungsstruktur der Pfarren ändert sich nichts. Die Seelsorger bilden allerdings nun ein Pastoralteam und beraten gemeinsam mit den stellv. Pfarrgemeinderats-Vorsitzenden über Ausmaß und Inhalt der Zusammenarbeit. Zum Leiter des Seelsor-geraums wurde Dechant KR Mag. Josef Kantusch, Pfarrer von Klausen-Leopoldsdorf, bestellt.

Wir möchten betonen, dass jenes Modell, das einen Wortgottesdienst für Pfarren vorsieht, in denen nicht jeden Sonntag ein Priester zur Verfügung steht, für unseren Seelsorgeraum, der ja aus 6 Stiftspfarren besteht, nicht zutrifft. Abt Maximilian ist es ein Anliegen, auch in den nächsten Jahren dafür Sorge zu tragen, dass in allen Pfarren unseres Dekanates eine sonntägliche Eucharistiefeier gehalten wird.

Um den Entwicklungsprozess behutsam voranzubringen, hat Bischofsvikar Stadler den Auftrag an die Dekanate erteilt, Koordinierungsteams einzurichten und Dekanatsvollversammlungen abzuhalten.

Erste Dekanatsvollversammlung

Bei unserer ersten, von Gebet und Liedern um-rahmten Dekanatsvollversammlung mit den Pfarrge-meinderäten berichtete zunächst Stefan Lobnig von der „Pastoralen Strukturentwicklung“ über den derzeitigen Stand im Entwicklungsprozess.

Maja Schanovsky von der Gemeinschaft Emmanuel, einer kirchlichen Erneuerungsbewegung, sprach in einem eindrucksvollen Impulsreferat über das heutige Verständnis von Mission – dass es um Begegnung, Dialog, Zuhören gehe. Bischofsvikar Rupert Stadler überreichte Dechant Josef Kantusch symbolhaft einen „Vikariatsschirm“ in Anlehnung an Psalm 119 („Du bist mein Schirm und mein Schild“). Darauf folgte ein intensiver Austausch unter den Seelsorgern und Pfarrgemeinderäten in Gesprächs-gruppen sowie eine Reflexion im Plenum.

Aufgrund der Erkenntnisse aus der Dekanatsvollversammlung hat das Koordinierungsteam die Bil-dung von Arbeitsgruppen vereinbart, die in den Bereichen Kinder/Jugend, Caritas und Medien Ideen austauschen und gemeinsame Projekte überlegen.

Ein besonderes Anliegen ist uns die spirituelle Vertiefung.
Erfüllen wir gemeinsam unseren Seelsorgeraum „Wienerwald“ mit Leben!

Österreichweiter PGR-Kongress in Mariazell

Es sei hier noch ein Bericht vom Pfarrgemeinderäte-Kongress von 29.–31. Mai angefügt, der rd. 500 Pfarrgemeinde- und Vikariatsräten aus ganz Öster-reich eine Plattform bot, um mit den Bischöfen direkt ins Gespräch zu kommen. Unser Dekanat habe ich gemeinsam mit Herwig Zwiener vertreten. Die drei Tage waren eine gelungene Mischung aus Liturgie (auch Vorstellung neuer Gebetsmodelle), Austausch und interessanten Vorträgen. Und was besonders gut angekommen ist: Die Bischöfe und Vikare hatten keine bevorzugten Sitzplätze, sondern mischten sich unter die Laien – auch am Abend. Kardinal Schön-born betonte bei der Eröffnungsmesse, dass ihm das offene Ohr füreinander ein wichtiges Anliegen ist.

Der Kongress stand unter dem Motto “Ermutigungen – Spannungsfelder – Zukunftsspuren” und themati-sierte neue Formen der Seelsorge, die primär von Laien getragen werden. In Workshops wurden 60 Projekte vorgestellt, in denen Laien in Eigenver-antwortung ihren Glauben zeitgemäß leben und damit Menschen den Weg zur Kirche eröffnen.
Beim „offenen Mikrophon“ kamen viele Anliegen zur Sprache. Eine oft zitierte Bitte einer Teilnehmerin: „Bischöfe, bewahrt euch den Mut, neue Wege zu beschreiten. Wir beten für euch“.

Kardinal Schönborn resümiert: „Der Pfarrgemeinde-rat wird in manchen Pfarren als Volksvertretung         gesehen und dementsprechend überfordert, in anderen als bloßes Erfüllungsorgan des Pfarrers missverstanden und damit unterfordert. In Mariazell ist greifbar geworden, was für Früchte ein gemein-samer Dienst an den Menschen, am Glauben und an der Kirche bringen kann“.

Die abschließende Sendungsfeier endete sehr eindrucksvoll mit einem Segen, den sich Bischöfe und Laien wechselseitig spendeten.

Ich bin tief beeindruckt und motiviert nach Hause gefahren. Der Kongress hat dem Vertrauen und    Miteinander zwischen Klerus und Laien einen gewaltigen Schub gegeben, die Gespräche sollten unbedingt in einem weiteren Kongress fortgesetzt werden – so das Resümee vieler Pfarrgemeinderäte.

(Weitere Berichte: u.a. www.erzdioezese-wien.at)

Michaela Richter, Dekanatsvertreterin im Vikariatsrat