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Sehnsucht nach der Stille

Zu Weihnachten singen wir alle gerne das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“. Viele von uns sind innerlich bewegt und gerührt, wenn sie dieses Lied in der heiligen Nacht singen. Viele, die sonst nicht so gerne oder überhaupt nicht singen, stimmen in den friedvollen Gesang ein, weil dieses Lied seit frühesten Kindertagen in unseren Herzen klingt und eine tiefe Sehnsucht ausdrückt.
Gott wird Mensch in stiller Nacht. Er kommt nicht mit großem Aufwand und in gewaltigem Pomp, sondern als kleines Kind in diese Welt, wie jeder von uns.

Das Kind zieht uns an, weil wir selbst Kinder waren und sind. Erst im Kind in der Krippe erkennen wir unsere Ebenbildlichkeit mit Gott, Gott ist wirklich und ganz einer von uns.
Das können wir mit dem Verstand nicht erfassen, aber in unserer menschlichen Sehnsucht erahnen. Als Kinder, die macht- und hilflos in dieser Welt leben und auf die der Lärm der Welt immer stärker eindringt, suchen wir die Ruhe des Herzens, den Frieden der Seele, die Begegnung mit dem Kind, mit dem Kind in der Krippe und mit dem Kind in uns. Denn wir alle heißen Kinde Gottes und sind es. Im Kindsein liegt die Erfüllung unseres Lebens.

Der weise Kohelet schreibt im AT: Alles hat seine Zeit.
Der Mensch braucht im Jahreslauf immer seine Anhaltspunkte, Ruhepunkte, wo er innehalten kann, wo er die Stille aufsucht, um sich auszurichten auf sein Ziel, vielleicht aber auch sich neu auszurichten oder zu bekehren.
Die wesentlichen Ereignisse unseres Lebens finden in der Stille, im Verborgenen statt. In der Stille hören wir die Stimme Gottes. Gott und viele Menschen warten auf die Begegnung mit uns.

Gönnen wir uns im Advent die Zeit der Stille, damit die entscheidenden Dinge unseres Lebens nicht im Lärm der Welt untergehen.
Allen wünsche ich von Herzen einen ruhigen Advent, gesegnete Weihnachten und ein friedvolles neues Jahr
P. Simeon